Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich
Entscheid: IV.2018.00702[9C_15/2020 vom 10.12.2020]

Sozialversicherungsgericht

des Kantons Zürich

IV.2018.00702


III. Kammer

Sozialversicherungsrichter Gräub, Vorsitzender
Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer
Sozialversicherungsrichterin Grieder-Martens
Gerichtsschreiberin Lanzicher

Urteil vom 14. November 2019

in Sachen

X.___

Beschwerdeführerin


vertreten durch Rechtsanwältin Lotti Sigg

Sigg Schwarz Advokatur

Theaterstrasse 3, Postfach 2336, 8401 Winterthur


gegen


Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle

Röntgenstrasse 17, Postfach, 8087 Zürich

Beschwerdegegnerin










Sachverhalt:

1.

1.1    Die 1970 geborene X.___ war vom 1. Juni 2000 bis 31. Dezember 2003 als Kundenberaterin bei der Y.___ AG angestellt (Urk. 9/22/5 und Urk. 9/32). Seit 2007 ist sie zudem in einem maximal 25 %-Pensum als selbständige Kartenlegerin tätig (Urk. 9/113/4).

    Nachdem die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ihr ab 7. März 1989 Hilfsmittel (orthopädische Änderungen an Serienschuhen, vgl. etwa Urk. 9/8) zugesprochen hatte, meldete sich die Versicherte am 17. November 2003 unter Hinweis auf eine Hüftluxation und diverse Operationen infolge einer Beinverkürzung um 15 cm, eines um 3 Nummern kleineren Fusses, einer steifen Hüfte und eines schiefen Hohlrückens bei der Invalidenversicherung zum Rentenbezug an (Urk. 9/22). Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, liess die Versicherte insbesondere durch das Z.___ untersuchen (Expertise vom 28. März 2006, Urk. 9/58) und wies das Rentenbegehren mit Verfügung vom 14. März 2007 (Urk. 9/72) ab.

1.2    Am 15. Juli 2009 stellte die Versicherte erneut ein Rentengesuch (Urk. 9/82), auf welches die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. Dezember 2009 nicht eintrat (Urk. 9/92). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 27. Mai 2011 (Prozess-Nr. IV.2010.00067; Urk. 9/105) ab. Auf die beim Bundesgericht erhobene Beschwerde trat dieses mit Urteil 9C_606/2011 vom 29. August 2011 nicht ein (Urk. 9/106).

1.3    Am 3. März 2014 meldete sich die Versicherte wiederum zum Leistungsbezug an (Urk. 9/113). Die IV-Stelle tätigte weitere medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess die Versicherte durch Dr. med. A.___, Rheumatologie FMH, und Dr. med. B.___, Psychiatrie FMH, bidisziplinär begutachten (Expertise vom 28. November 2017 [Urk. 9/164] ergänzt am 18. Dezember 2017 und 22. Januar 2018 [Urk. 9/167 und Urk. 9/169] sowie am 21. und 25. Juni 2018 [Urk. 9/190 und Urk. 9/191]). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/176, Urk. 9/181 und Urk. 9/197) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 15. August 2018 (Urk. 2) ab.


2.    Dagegen erhob die Versicherte am 30. August 2018 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Rente zuzusprechen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewilligen. Am 3. Oktober 2018 (Urk. 8) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen. Mit Verfügung vom 8. Oktober 2018 (Urk. 10) gewährte das hiesige Gericht der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihr Rechtsanwältin Lotti Sigg als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren. Mit Replik vom 30. Januar 2019 (Urk. 13) stellte die Beschwerdeführerin den zusätzlichen Antrag, es seien weitere medizinische Abklärungen anzuordnen. Mit Eingabe vom 15. Februar 2019 teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik verzichte (Urk. 16), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 18. Februar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 17).



Das Gericht zieht in Erwägung:

1.

1.1    Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).

1.2    Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:

a.    ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;

b.    während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und

c.    nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.

    Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).

1.3    Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).

1.4    Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.

    Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).

1.5    Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).


2.

2.1    Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfügung vom 15. August 2018 (Urk. 2) damit, dass auf das eingeholte Gutachten abzustellen sei. Die Beschwerdeführerin sei in jeglicher Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig. Bei einem Invaliditätsgrad von 20 % bestehe kein Rentenanspruch (S. 1-2).

2.2    Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 13), sie sei mit einer Hüftgelenksdeformation geboren worden und habe heute ein um 17 cm verkürztes Bein und eine schwere Gehbehinderung. Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. A.___ und B.___ sei - aus näher dargelegten Gründen - nicht beweiskräftig (S. 2 und S. 7-10). Selbst wenn darauf abzustellen wäre, würde aufgrund der gutachterlich attestierten 40%igen Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von ungefähr 20 % ein Rentenanspruch bestehen. Weshalb in der selbständigen Tätigkeit als Kartenlegerin eine tiefere Arbeitsunfähigkeit vorliege, sei nicht nachvollziehbar, sei dies doch grundsätzlich vergleichbar mit einer beratenden therapeutischen Arbeit wie etwa einer solchen als Psychotherapeutin (S. 10).


3.

3.1    Dr. C.___, Innere Medizin, Dr. D.___, Psychiatrie, und Dr. E.___, Orthopädie, vom Z.___ stellten in ihrem allgemeininternistisch-orthopädisch-psychiatrischen Gutachten vom 28. März 2006 (Urk. 9/58) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 17):

- Status nach kongenitaler Hüftluxation links

- Status nach offener Reposition der linken Hüfte 1972

- Status nach Pfannendachplastik 1977, Status nach Osteomyelitis

- Status nach Arthrodese der linken Hüfte mit erneuter Infektion 1978

- Status nach Korrekturosteotomie proximaler Femur links 1982

- rezidivierende Osteomyelitis, Status nach Sanierung der Infektion 1983

- fragliche Pseudarthrose linke Hüfte

- Beinlängenverkürzung links 13 cm

- Spitzfussstellung links

- unterschiedliche Schuhgrösse (links 35, rechts 38)

- lumbospondylogenes Syndrom bei lumbosacraler Spondyloarthrose

    

    Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer Hüftimmobilität, ihrer Schmerzen und ihrer Behinderung beim Gehen und Aufstehen etwas eingeschränkt. Die bisherige Arbeitsstelle als Direktionsassistentin, also in einer wechselbelastenden Tätigkeit sitzend, gehend und stehend sei ideal. Aufgrund ihrer etwas erschwerten Fähigkeit schnell aufzustehen und freihändig gehen zu können (beispielsweise schwere Akten tragen) sei sie auch etwas eingeschränkt. Insgesamt sei sie aber in ihrer Tätigkeit als Direktionsassistentin/Sekretärin voll arbeitsfähig. Eine gewisse Einschränkung mit Verminderung des Rendements um zirka 10 - 20 % aufgrund der oben genannten Einschränkungen mit Immobilisation und schmerzbedingtem Bedarf an Pausen könne zugestanden werden (S. 19).

3.2    Im nach einem Treppensturz vom Unfallversicherer bei Dr. med. F.___, Orthopädische Chirurgie FMH, eingeholten Gutachten vom 5. März 2008 (Urk. 9/86) ist - nebst einem unfallfremden Status nach congenitaler Hüftgelenksluxation links mit diversen operativen Eingriffen und Endresultat mit völlig versteifter Hüfte (Girdelstone-Arthrodese) sowie 15 cm Beinverkürzung - folgende Diagnose aufgeführt (S. 5):

- Treppensturz mit

- massiver Verletzung des Ligamentum fibulotalare anterius

- Fraktur des Os cuboideum, Fraktur des Processus anterior calcanei und Fraktur der Basis des Metatarsale IV rechts

- Status nach primärem Übersehen dieser Frakturen und inadäquater konservativer Behandlung

- Status nach Gipsbehandlung mit vorzeitiger Entfernung

- Status nach Re-Traumatisierung

- Status nach erneuter Gipsbehandlung

- protrahiertem Verlauf

    Dazu hielt er fest, es bestehe eine diskret beginnende OSG-Arthrose mit eingeschränkter Dorsalextension. Die medizinisch theoretische Invalidität betrage 12 % (S. 8).

3.3    Im im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung eingereichten Bericht vom 28. Oktober 2016 (Urk. 9/135) stellte der behandelnde Dr. med. G.___, Spezialarzt Chirurgie und Orthopädie FMH, folgende Diagnosen (S. 1-2):

- Lumbo-spondyloformes Schmerzsyndrom durch Fehlbelastung und Überlastung bei Trendelenburg-Hinken bei

- Status nach Girdlestone-Arthrodese linke Hüfte mit

- Beinlängendifferenz von 17 cm links bei

- Status nach multiplen Voroperationen in der Kindheit aufgrund einer angeborenen Hüftluxation bei Hüftgelenksdysplasie links

- Status nach Femurfraktur links vom 17. August 2013 (Osteosynthese, H.___) nach Stolpersturz

- Knöchern verheilte Os cuboideum-Fraktur rechts mit Fraktur des Processus anterior calcanei und Basis Metatarsale IV rechts mit

- konservativer Therapie (seit 10/2006)

- Status nach Re-Traumatisierung durch erneutes Distorsionstrauma

- Status nach anterolateraler Rotationsinstabilität des rechten oberen Sprunggelenks mit Läsionen des Ligamentum Fibulo talare anterius, Fibulo talare posterius und Fibulocalcaneare

    Dazu führte er aus, die Beschwerdeführerin klage über zunehmende Rücken- sowie Hüftschmerzen auf der rechten Seite. Diese hätten insbesondere seit dem Stolpersturz mit Femurfraktur links im August 2013 sowie den knöchernen Läsionen im Oktober 2006 am rechten Fuss deutlich zugenommen. Sie könne nicht länger als dreissig Minuten sitzen, weiterhin träten Beinschmerzen rechts sowie Rückenschmerzen auf. Ausserdem klage sie über ein Einschlafen im Bereich des rechten Fusses. Die Gehstrecke sei auf ungefähr 500 Meter eingeschränkt, die ständigen Rückenschmerzen sowie die Beschwerden im rechten Hüftgelenk seien vor dem Unfall im August 2013 mit dem Oberschenkelbruch links nicht vorhanden gewesen. Sie könne deshalb ihren Haushalt nicht mehr vollständig selbständig erledigen, habe Ängste hinzufallen oder zu stolpern. Die Schlafqualität habe durch die nächtlichen Schmerzen erheblich abgenommen, dies führe auch zu Depressionen. Ohne Hilfe könne sie nicht duschen, sich nicht anziehen oder abtrocknen, was früher nicht der Fall gewesen sei. Sie müsse ihren geschiedenen Mann hierzu zur Hilfe bitten, was sie als erniedrigend empfinde. Bei der klinischen Untersuchung falle als erstes die Beinverkürzung auf der linken Seite von ungefähr 17 cm ins Auge. Hierfür sei sie mit entsprechenden Serienschuhen versorgt. Weiterhin bestehe eine erhebliche Muskelatrophie am linken Bein, das linke Kniegelenk sei ligamentär vollkommen instabil, der linke Fuss sei in einer Spitzfussstellung von 30° kontrakt, die linke Hüfte überhaupt nicht beweglich, bei jeglicher Bewegung werde das Becken mitbewegt. Das rechte Hüftgelenk sei gut beweglich, das rechte Kniegelenk unauffällig. Am rechten Fuss finde sich ein erheblicher Druckschmerz anterolateral im Bereich der ehemaligen Frakturen. Weiterhin bestehe ein stark humpelndes Gangbild, indem das linke Bein nachgezogen werde. Dabei komme es durch die Versteifung des linken Hüftgelenks zu einer Rotationsbewegung in den unteren Abschnitten der Wirbelsäule, welche die lumbalen Beschwerden erkläre. Eigentliche radikuläre Symptome beständen nicht, auch keine Lähmungen an den unteren Extremitäten. Es bestehe ein erheblicher Klopfschmerz über den unteren Abschnitten der Lendenwirbelsäule. Schmerzhafte Myogelosen seien ebenfalls tastbar (S. 2).

    

Im Vergleich mit dem Gutachten des Z.___ seien erhebliche Verschlechterungen eingetreten. Durch die Ausweichbewegung in Form einer Rotation des unteren Rückens wegen der Versteifung des linken Hüftgelenks komme es zu zunehmenden Beschwerden des chronischen Lumbovertebralsyndroms sowie zu einer deutlichen Fehlbelastung mit Beschwerden in der rechten Hüfte und im rechten Bein. Die Spitzfussstellung am linken oberen Sprunggelenk trage noch zur Verschlechterung des Gangbildes bei. Aus diesen Gründen sei eine erneute polydisziplinäre Begutachtung angezeigt. Auch in einer optimal angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin allein auf orthopädischem Fachgebiet zu 50 % dauerhaft arbeitsunfähig. Diese Einschätzung gründe auf einer Analogie der Suva-Tabellen bei Integritätsschäden (S. 3).

3.4    Die behandelnde Dr. med. I.___, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in ihrem Bericht vom 4. August 2017 (Urk. 9/155) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):

- kombinierte Persönlichkeitsstörung, ängstliche (vermeidende) und abhängige (asthenische) Züge (ICD-10 F60.6 und 60.7)

- depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)

    Dazu hielt sie fest, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 20. Dezember 2016 in ihrer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung mit Sitzungen in zweiwöchentlichem Abstand. In der angestammten Tätigkeit als KV-Angestellte bestehe eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 1-2). Unter den verordneten Antidepressiva habe eine Schlafbesserung und eine leichte Stimmungsaufhellung erreicht werden können, sonst seien die Kern- und alle anderen Symptome einer mittelgradigen depressiven Episode weiterhin vorhanden (S. 5).

3.5    Dr. A.___ und Dr. B.___ stellten in ihrem Gutachten vom 28. November 2017 (Urk. 9/164) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 7):

- Folgen der kongenitalen Hüftluxation links

- Beinlängenverkürzung links von 17 cm mit Spitzfussstellung links und Knieinstabilität links

    Zudem hielten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 8):

- Anpassungsstörung, depressive Reaktion seit 16. Dezember 2016

- finanzielle Schwierigkeiten

- Vorbescheid eines negativen Rentenentscheides

- Abhängigkeit von der Familie

- akzentuierte Persönlichkeitszüge (eher unselbständig und vermeidend)

- anhaltende somatoforme Schmerzstörung

- chronisches generalisiertes Schmerzsyndrom

- nicht ausreichend somatisch abstützbar

- krankheitsfremde Faktoren

- diffuse Druckschmerzangabe

- Polyarthralgien axialer und peripherer Gelenke

- Nikotinkonsum von circa 2 pack years

    Dazu führten sie aus, dass das Bewegungsmuster der Beschwerdeführerin und die aus somatischer Sicht ableitbaren Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit mit Folgen der kongenitalen Hüftluxation links begründet seien. Die in Hüftflexions- und leichtgradiger Hüftadduktionshaltung erfolgte Arthrodesierung des linken Hüftgelenks bedinge zwingend, dass der linke Fuss in eine Spitzfussstellung gerate und dass beim Gehen die Lendenwirbelsäulensegmente vermehrt belastet würden. Nach dem letzten Unfall mit Frakturfolge, der sich im Sommer 2013 ereignet und zu einer Osteosynthese geführt habe, habe die Beinlängenverkürzung noch einmal zugenommen, sodass sie unterdessen 17 cm betrage (S. 8-9). Aufgrund der Bewegungsasymmetrien, die aufgrund der aufgehobenen Hüftbeweglichkeit links resultieren würden, könne wegen der Mehrbelastung der lumbalen Bewegungssegmente eine degenerative Veränderung derselben erwartet werden. Die aktualisierten Röntgenaufnahmen der Lendenwirbelsäule würden jedoch normale, altersentsprechende Bewegungssegmente lumbal dokumentieren und auch die Iliosakralgelenke würden altersentsprechend normal zur Darstellung kommen. Es beständen keine Hinweise auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom (S. 9). Die geschilderten Beschwerden mit der geschilderten Schmerzausweitung phasenweise auf den ganzen Körper seien bezüglich Umfang und Intensität lediglich partiell auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde abstützbar (S. 10).

    Das Leben der Beschwerdeführerin sei früh durch die kongenitale Hüftluxation geprägt worden. Es seien mehrfache belastende Operationen seit Kindesalter erfolgt, durch das Hinken sei sie von den Klassenkameraden verspottet worden. Möglicherweise sei dadurch eine gewisse Störung der Persönlichkeitsentwicklung im Rahmen von akzentuierten Persönlichkeitszügen entstanden. Eine Persönlichkeitsstörung lasse sich jedoch nicht nachweisen, die dafür vorausgesetzten Kriterien der ICD-10 seien nicht vorhanden. In der Schweiz habe sie ab 11-jährig die Schulen besucht, auch hier sei es zu Hänseleien durch Schulkameraden gekommen. Wegen längeren Spitalaufenthalten habe sie ein Schuljahr wiederholen müssen. Anschliessend habe sie leistungsmässig aufholen und eine Handelsausbildung erfolgreich absolvieren können und sei bis 2007 arbeitstätig gewesen (Urk. 9/164/21-22).

    Das Hauptproblem der Beschwerdeführerin seien die Schmerzen. Sie sei X-Mal an der linken Hüfte operiert worden, zudem seien andere orthopädische Probleme aufgetreten (Stürze mit Fussfrakturen und einer Oberschenkelfraktur). Wegen des verkürzten linken Beines müsse sie Spezialschuhe tragen. Sie fühle sich in ihrer Lebensentfaltung massgeblich eingeschränkt, könne keine Lasten heben, traue sich nicht, allein das Haus zu verlassen und sei auf die Mithilfe der Familie angewiesen. Es lasse sich eine lebenspraktische Abhängigkeit feststellen, indem sie sich kaum alleine zu bewegen traue, weil sie befürchte zu stürzen. Es liege aber keine abhängige Persönlichkeitsstörung vor, vielmehr beständen lebenspraktische und nachvollziehbare Zusammenhänge (Urk. 9/164/22).

    Bei der Beschwerdeführerin habe sich eine chronische Schmerzsymptomatik entwickelt, welche unterdessen diverse Körperteile betreffe. Angesichts der Chronifizierung der Schmerzen und der Ausbreitung derselben müsse an eine psychosomatische Überlagerung gedacht werden. Sie zeige denn auch Symptome, welche die ICD-10 bei einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung voraussetze, wobei aber auch Beobachtungen vorlägen, welche gegen das Vollbild einer derartigen Störung sprächen. Sie habe im Leben mehrmals negative Erfahrungen machen müssen (Tod des langjährigen Lebenspartners aufgrund eines Krebsleidens, Scheitern der Ehe nach kurzer Zeit, finanzielle Abhängigkeit von der Familie). Zwischen der IV-Rentenablehnung und der Aufnahme der psychiatrischen Behandlung bestehe offensichtlich ein Zusammenhang. Die Beschwerdeführerin besuche ihre Psychiaterin ungefähr alle drei Wochen und erhalte Medikamente, die psychotherapeutischen Bemühungen seien genügend. Es gebe ungünstige krankheitsfremde Faktoren (lange Phase von Arbeitsuntätigkeit, Abhängigkeit von der Familie, finanzielle Schwierigkeiten, Einschränkungen in der Lebensführung, mässige Motivation zur Aufnahme einer Arbeitstätigkeit). Die Tagesgestaltung sei nicht befriedigend, aber auch nicht unstrukturiert. Sie stehe um 10:00 Uhr auf, anschliessend versuche sie sich in den Haushaltsarbeiten. Sie fahre regelmässig Auto und besuche ihre Psychiaterin in J.___ mit dem Auto. Als sehr aktive Tätigkeit könne angeführt werden, dass sie sich seit Jahren intensiv als Kartenlegerin betätige und grosses Interesse an spirituellen Angelegenheiten habe. Dies lasse darauf schliessen, dass sie Ressourcen besitze, welche sie verwerten könne (Urk. 9/164/22-23).

    Nach dem Unfallereignis vom 17. August 2013 habe maximal vier Monate eine vollständige Arbeitsunfähigkeit resultiert. Seit spätestens Ende 2013 bestehe in der zuletzt im Anstellungsverhältnis ausgeübten beruflichen Tätigkeit im administrativen Bereich eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 40 %. Diese Einschränkungen träfen auch hinsichtlich einer angepassten Verweistätigkeit zu. Körperlich belastendere Arbeiten als diejenigen, welche sie zuletzt im administrativen Bereich ausgeübt habe, seien nicht mehr zumutbar. Für die in Selbständigkeit ausgeübte berufliche Tätigkeit als Kartenlegerin bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 % (Urk. 9/164/35-36).

3.6    Zu den Rückfragen der Beschwerdegegnerin führte Dr. A.___ am 18. Dezember 2017 (Urk. 9/167) aus, die 40%ige Arbeitsunfähigkeit habe er im Gutachten mit den Folgen der kongenitalen Hüftluxation links begründet. Die geschilderten chronisch generalisierten Beschwerden würden nicht mit den objektivierbaren Befunden der Folgen der kongenitalen Hüftluxation links korrelieren. Als pathologische Befunde habe er auf eine Muskelhypotrophie des linken Beines, eine Kraftabschwächung des linken Beines, eine Oberschenkelverkürzung links, eine Spitzfussstellung des linken Fusses sowie eine Kniegelenksinstabilität links hingewiesen und in der Beurteilung unter anderem diskutiert, dass die in Flexions- und Adduktionsstellung erfolgte Arthrodesierung des linken Hüftgelenks Einfluss auf das Gangmuster habe, so dass die Lendenwirbelsäule und die Gelenke auch des rechten Beines vermehrt belastet würden (S. 1-2).

    Seit dem Gutachten des Z.___ sei es zu einer Zunahme der Beinlängenverkürzung links gekommen mit konsekutiver Zunahme der Spitzfussstellung, zudem zu einer ungünstigen Beeinflussung des Gangmusters durch die zusätzliche Beinlängenverkürzung links, weil die Drehpunkte auf Kniegelenkshöhe als Folge des Stolpersturzes vom 17. August 2013 geändert hätten mit entsprechender Mehrbelastung der Gelenkstrukturen im unteren Rückenbereich und im rechten Bein (S. 2).

    Die Differenz zwischen der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Anstellungsverhältnis und derjenigen in der selbständig ausgeübten Tätigkeit als Kartenlegerin begründe sich damit, dass Letztere von zuhause aus erledigt werden könne und somit die Belastungen der An- und Abreise zum Arbeitsort wegfallen würden. Dies heisse konkret, dass auch eine angepasste Verweistätigkeit, die von zuhause aus ausübbar wäre, mit einer maximalen Arbeitsunfähigkeit von 20 % verbunden wäre (S. 2).


4.

4.1    Das bidisziplinäre Gutachten der Dres. A.___ und B.___ vom 28. November 2017 (E. 3.5 hievor) beruht auf den erforderlichen rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten Vorakten erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilten die medizinische Situation überzeugend und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander. Sie zeigten auf, dass sie an einer kongenitalen Hüftluxation und deren Folgen mit einer erheblichen Beinlängenverkürzung, Spitzfussstellung und Knieinstabilität leidet, aufgrund welcher beim Gehen die Lendenwirbelsäulensegmente vermehrt belastet werden. Ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom verneinten sie aber. Sie legten ausführlich dar, dass sich die Problematik seit der letzten Begutachtung aufgrund eines Unfalls mit Frakturfolge verschlimmert und die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit entsprechend zugenommen hat, hielten jedoch fest, dass die geschilderte Schmerzbelastung nicht vollumfänglich somatisch erklärt werden kann. Die Gutachter zeigten eine aufgrund des Geburtsgebrechens belastete Entwicklung und massgeblich eingeschränkte Lebensgestaltung auf, verneinten jedoch das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Sie wiesen auf psychosoziale Belastungsfaktoren hin, aber ebenso auf Ressourcen in Form der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit als Kartenlegerin. Die Gutachter gelangten sodann zum begründeten und nachvollziehbaren Schluss, dass die Beschwerdeführerin infolge des Unfalls von August bis Dezember 2013 zu 100 % arbeitsunfähig war und seither aufgrund ihres kongenitalen Hüftleidens und den damit verbundenen Beschwerden in der angestammten sowie in angepassten leichten Tätigkeiten zu 40 % arbeitsunfähig ist. Für von zuhause aus ausübbare Tätigkeiten besteht gemäss den Dres. A.___ und B.___ lediglich eine Einschränkung von 20 %, da die Belastungen der An- und Abreise zum Arbeitsort wegfallen. Das Gutachten entspricht somit den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.5 hievor).

4.2    Das Gutachten wurde von der Beschwerdeführerin in verschiedener Hinsicht kritisiert (vgl. Urk. 13 S. 7-9). In Bezug auf das rheumatologische Teilgutachten ist dazu festzuhalten, dass Dr. A.___ sich bei der Verneinung eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms auf aktuelle Röntgenbilder stützte und sich weder daraus oder aus den übrigen Akten, noch aus seinem Untersuch oder der Beschwerdeschilderung der Beschwerdeführerin Hinweise auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom ergaben. Im Übrigen bekräftigte Dr. A.___ mit Stellungnahme vom 21. Juni 2018 nach erneuter Einsicht in die aktuellen Röntgenbilder seine bereits im Gutachten getroffene Feststellung, wonach lumbal keine relevante degenerative Veränderung ausgewiesen sei (Urk. 9/164 S. 9, Urk. 9/190 S. 2). Die Mehrbelastung der Wirbelsäule aufgrund der Arthrodetisierung des linken Hüftgelenks, der Beinlängenverkürzung und der Spitzfussstellung wurde von ihm aber sehr wohl beachtet und bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung miteinbezogen (vgl. dazu auch E. 3.6 hievor). So erachtete er denn auch die Arbeitsfähigkeit als stärker eingeschränkt als die Gutachter des Z.___. Dasselbe gilt für die von ihm angeblich ausser Acht gelassenen Beschwerden des rechten Fusses. Dr. A.___ führte in seiner Stellungnahme aus, dass es seit dem Gutachten des Z.___ aufgrund der nach dem Unfall im Jahre 2013 aufgetretenen zusätzlichen Beinlängenverkürzung zu einer Mehrbelastung im unteren Rückenbereich und im rechten Bein gekommen ist. Entsprechend verringerte sich seiner Ansicht nach auch die Arbeitsfähigkeit seither. Auch der Sturz im Jahre 2006 mit Fraktur im Bereich des rechten Mittel- und Rückfusses war Dr. A.___ bekannt, indessen attestierte er in diesem Zusammenhang eine lediglich vorübergehende Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/164 S. 8). Dem hinkenden Gang der Beschwerdeführerin, den Balanceproblemen, den Beschwerden im rechten Fuss sowie dem Umstand, dass sie keine schweren Lasten tragen kann, trug Dr. A.___ im Übrigen Rechnung, erachtete er die Beschwerdeführerin doch lediglich noch in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit sowie in der angestammten Tätigkeit im KV-Bereich - mithin einer Arbeit, die mehrheitlich sitzend ausgeübt werden kann - als zu 60 % arbeitsfähig. Ohnehin weicht seine Arbeitsunfähigkeitseinschätzung nicht wesentlich von derjenigen von Dr. G.___ ab, welcher die Beschwerdeführerin mit nicht nachvollziehbarem Verweis auf die Integritätsentschädigungstabellen der Suva als zu 50 % arbeitsfähig erachtete (E. 3.3 hievor). Andere im vorliegenden Verfahren massgebliche und nachvollziehbare Arbeitsfähigkeitseinschätzungen aus somatischer Sicht liegen keine bei den Akten. Die Einwendungen der Beschwerdeführerin vermögen demnach die von Dr. A.___ attestierten Einschränkungen nicht in Frage zu stellen. Dass Dr. A.___ in seinem Gutachten einen Vorschub des Femurkopfes erwähnte, in seiner Stellungnahme vom 21. Juni 2018 (Urk. 9/190) aber darauf hinwies, dass seine Ausführungen nur mit dem Begriff Femurkondylus Sinn machen würden (S. 2), lässt entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht darauf schliessen, dass sein Gutachten mangelhaft ist. Vielmehr ist dabei von einem Schreibfehler auszugehen. Offen bleiben kann, wie es sich mit seinen Aussagen in der Stellungnahme in Bezug auf die Prognose der Beschwerden (vgl. Urk. 9/190 S. 2) verhält, denn für die Frage des Rentenanspruchs relevant ist in erster Linie die vergangene und gegenwärtige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Demnach vermag auch dies nichts an der Beweiskraft des rheumatologischen Teilgutachtens zu ändern.

4.3    Was die Kritik am psychiatrischen Teilgutachten von Dr. B.___ anbelangt, so ist vorab festzuhalten, dass weder zutrifft, dass er die Befunde nicht erhoben, noch dass er die Diagnosen nicht diskutiert hat (vgl. zu den Befunden Urk. 9/164/19-21, zur Diskussion der Diagnosen Urk. 9/164/21-23 und 25-26). Nachdem auch die behandelnde Psychiaterin eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert (Urk. 9/180/1) und die Beschwerdeführerin dies nicht in Frage gestellt hat, ist auf ihre Beanstandungen bezüglich derselben Diagnosestellung seitens Dr. B.___ nicht weiter einzugehen. Dr. B.___ wies überdies zu Recht darauf hin, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung mit daraus folgender Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei der dannzumal über 45-jährigen Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar ist, nachdem eine solche definitionsgemäss in der Kindheit oder Adoleszenz beginnt und bis ins Erwachsenenalter andauert (vgl. Dilling/Mambour/Schmidt, Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V[F]: Klinisch diagnostische Leitlinien, 10. Aufl., 2015, S. 274 f.; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 36/04 vom 14. Juni 2004 E. 4.3), die Beschwerdeführerin aber eine Berufslehre als KV-Angestellte abschliessen und bis 2007 zu 100 % erwerbstätig sein konnte, ohne dass Konflikte am Arbeitsplatz ersichtlich wären. Ob sie schliesslich unter einer Anpassungsstörung leidet, wovon Dr. B.___ ausging, oder ob eine depressive Störung vorliegt, wie ihre behandelnde Psychiaterin geltend machte, kann letztlich offen bleiben, da es invalidenversicherungsrechtlich nicht auf die Diagnose ankommt, sondern einzig darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat (vgl. dazu E. 5 hernach). Auf die Kritik der Beschwerdeführerin an der in diesem Zusammenhang geäusserten Vermutung Dr. B.___s, wonach sie die Behandlung bei Dr. I.___ aufgrund des negativen Bescheids der Beschwerdegegnerin aufgenommen habe, ist deshalb nicht weiter einzugehen. An der Beweiskraft des psychiatrischen Teilgutachtens vermögen die Einwendungen der Beschwerdeführerin nach dem Gesagten nichts zu ändern.

4.4    Zusammenfassend ist auf das bidisziplinäre Gutachten der Dres. A.___ und B.___ abzustellen. Von weiteren medizinischen Abklärungen - wie von der Beschwerdeführerin beantragt - sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu verzichten ist.


5.

5.1    Die Beschwerdeführerin ist gemäss ihrer behandelnden Psychiaterin unter anderem aufgrund ihrer depressiven Störung zu 100 % arbeitsunfähig (vgl. Urk. 9/180 S. 5). Dr. B.___ attestierte hingegen keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychischen Gründen. Dies gilt es nachfolgend zu prüfen.

5.2    Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).

    Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3).

    Von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kann damit aus rechtlicher Sicht abgewichen werden, ohne dass ein  wie vorliegend grundsätzlich beweiskräftiges Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).

5.3

5.3.1    Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl. BGE 139 V 547 E. 5, 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).

    Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).

5.3.2    Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom 7. März 2018 E. 4.2.1).

    Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).

    Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).

    Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):

- Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)

- Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)

- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)

- Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)

- Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)

- Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen, E. 4.3.2)

- Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)

- Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)

- gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1)

- behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2)

    Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).

5.4

5.4.1    Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychiatrischen Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 5.2.2). Die Beschwerdeführerin leidet gemäss ihrer behandelnden Psychiaterin an einer mittelgradigen depressiven Störung. Aus ihren Ausführungen ist aber nicht ersichtlich, dass sie bei ihrer Einschätzung die invalidenversicherungsrechtlich unbeachtlichen zahlreichen psychosozialen Belastungsfaktoren (finanzielle Schwierigkeiten, Abhängigkeit von der Familie, lange Phase der Arbeitsuntätigkeit, Einschränkungen in der Lebensführung) unberücksichtigt gelassen hätte. In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde damit als lediglich geringfügig ausgeprägt.

5.4.2    Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –resistenz» hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nach Beginn der Behandlung am 20. Dezember 2016 dank der Antidepressiva zunächst ein wenig verbessert (vgl. Urk. 9/155/5), die Arbeitsfähigkeit hingegen gemäss der behandelnden Psychiaterin anschliessend verschlechtert (vgl. Urk. 9/155/3 mit Urk. 9/180/5). Die von Dr. I.___ attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit kann jedoch bereits mit Blick auf die selbständig ausgeübte Teilzeiterwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin nicht nachvollzogen werden. Von einer erheblichen Ausprägung der Symptomatik kann in diesem Zusammenhang deshalb nicht gesprochen werden.

5.4.3    Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung beizumessen ist (vorgenannter BGE 143 V 418 E. 8.1). Die Beschwerdeführerin leidet nebst einer allfälligen depressiven oder Anpassungsstörung wie bereits dargelegt an keinen psychischen Beschwerden, welche sie zusätzlich in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränken. Es sind damit keine als «Komorbiditäten» zu berücksichtigende krankheitswertige psychischen Störungen ausgewiesen. Auch wenn Dr. B.___ davon ausging, dass die chronischen Schmerzen keine eigenständige psychiatrische Komorbidität darstellen (Urk. 9/191 S. 3), so dürfte dem angeborenen Hüftleiden und den daraus resultierenden Einschränkungen eine gewisse ressourcenhemmende Wirkung zukommen.

5.4.4    Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes: Die Beschwerdeführerin lebt mit ihrer Tochter und ihrem Ex-Mann zusammen, ausserdem hat sie regelmässigen Kontakt zu ihrer Mutter und ihrer Tante und wird von Kunden besucht, für welche sie Karten legt. Durch ihre Einbettung in die Familie und die ihr obliegenden Aufgaben erhält sie eine Tagesstruktur. Der soziale Lebenskontext enthält somit einerseits bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren. Andererseits belastet die aufgrund der somatischen Beschwerden erhebliche lebenspraktische Abhängigkeit von der Familie die Beschwerdeführerin nachvollziehbar. Ebenfalls negativ auf die Ressourcen dürften sich die akzentuierten Persönlichkeitszüge auswirken.

5.4.5    In der Kategorie «Konsistenz» (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Bezügen zu den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» eingehend Michael E. Meier, Ein Jahr neue Schmerzrechtsprechung, in: Jusletter vom 11. Juli 2016, S. 28 ff. [nachfolgend: Ein Jahr Schmerzrechtsprechung], vgl. auch Michael E. Meier, Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung, in: Riemer-Kafka/Hürzeler [Hrsg.], Das indikatorenorientierte Abklärungsverfahren, 2017, S. 105-148, S. 136 ff. [nachfolgend: Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung]) zielt der Indikator «gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen» auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (beispielsweise Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).

    Die Beschwerdeführerin hat eine mehrheitlich strukturierte Tagesgestaltung und betätigt sich seit mehreren Jahren in einem Teilzeitpensum als Kartenlegerin. Zudem ist sie in der Lage, regelmässig (alleine) Auto zu fahren, was mit physischen und kognitiven Ressourcen verbunden und mit den geltend gemachten funktionellen Einschränkungen nicht vereinbar ist. Von einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus kann mit Blick auf die gemäss Dr. I.___ bestehende Arbeitsunfähigkeit von 100 % keine Rede sein. Dass die Beschwerdeführerin auf die Mithilfe ihrer Familie angewiesen ist, ohne diese kaum das Haus verlässt und auch ein eingeschränktes körperliches Aktivitätsniveau zeigt, ist nicht auf psychische Beschwerden, sondern auf die Beeinträchtigung aus somatischen Gründen zurückzuführen und in diesem Zusammenhang unbeachtlich.

5.4.6    Im Rahmen des Indikators «behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck» (zur Abgrenzung vom Indikator «Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz» vgl. Michael E. Meier, Ein Jahr Schmerzrechtsprechung, S. 25 Rz 60 und Michael E. Meier, Zwei Jahre Schmerzrechtsprechung, S. 129) weist die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex «Gesundheitsschädigung») auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).

    Die Beschwerdeführerin steht seit dem 20. Dezember 2016 in psychiatrischer Behandlung bei Dr. I.___, dies mit Sitzungen zunächst alle zwei bis drei Wochen (vgl. E. 3.4 und 3.5 hievor), anschliessend alle ein bis zwei Wochen (Urk. 9/180/1). Ein gewisser Leidensdruck ist damit auszumachen, jedoch nicht in einem Umfang, wie er bei einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit zu erwarten wäre. Gemäss Dr. B.___ sollte die Medikation zudem noch etwas angepasst werden (Urk. 9/164/28). Die Beschwerdeführerin hat vor einigen Jahren eine selbständige Tätigkeit aufgenommen, dies aber lediglich in einem maximal 25 %-Pensum. Um weitere Eingliederungsmassnahmen bemühte sie sich trotz der gutachterlich festgestellten Arbeitsfähigkeit nicht. Auch eingliederungsanamnestisch ist somit kein erheblicher Leidensdruck ausgewiesen.

5.4.7    Zusammenfassend ist bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht führen könnte, nicht nachgewiesen. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einem geringen Umfang könnte allenfalls nachvollzogen werden. Mit Blick auf das soeben Dargelegte liesse sich jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit höchstens eine solche von 40 % begründen, was an der gutachterlich festgestellten Arbeitsfähigkeit von 60 % in der angestammten sowie in angepassten leichten Tätigkeiten nichts ändern würde. Der exakte Umfang der Einschränkung aus psychischer Sicht kann deshalb offen bleiben.

    Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt.

6.

6.1    Diesbezüglich ist vorab darauf hinzuweisen, dass der Ansicht der Beschwerdegegnerin, wonach es der Beschwerdeführerin zumutbar sei, ihre angestammte Tätigkeit als KV-Angestellte vollumfänglich im Homeoffice auszuüben, weshalb sie nur zu 20 % arbeitsunfähig sei (vgl. Urk. 9/175/9), nicht gefolgt werden kann. Denn auch auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt wird eine derartige Erwerbsausübung realistischerweise nicht nachgefragt. Mit ihrer selbständigen Tätigkeit als Kartenlegerin vermag die Beschwerdeführerin auch nach Ansicht der Beschwerdegegnerin zudem kein Einkommen zu erwirtschaften, welches höher als ein solches mit einer 60 %-Tätigkeit als allgemeine Büro- und Sekretariatskraft wäre, wobei offen bleiben kann, ob diese Tätigkeit als Kartenlegerin überhaupt auf 80 % ausgebaut werden könnte (vgl. Urk. 9/175/8-9 und Urk. 9/174/3-14). Aufgrund der Schadenminderungspflicht würde von ihr deshalb wohl verlangt, von der selbständigen in eine unselbständige Tätigkeit zu wechseln. Die Einkünfte aus ihrer Arbeit als Kartenlegerin und Hellseherin sind bei der Berechnung des Invaliditätsgrades deshalb nicht zu berücksichtigen (vgl. dazu auch Urk. 9/175/8).

6.2    Die Beschwerdeführerin hat bereits seit vielen Jahren nicht mehr als Sekretärin gearbeitet, weshalb für die Berechnung des Valideneinkommens auf die Tabellenlöhne abzustellen ist. Davon gehen auch die Parteien aus (Urk. 13 S. 11 und Urk. 9/175/9). Sind Validen- und Invalideneinkommen wie vorliegend ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich rechtsprechungsgemäss deren genaue Ermittlung; der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit (hier 40 %), wobei allenfalls noch ein Abzug vom Tabellenlohn zu berücksichtigen ist.

6.3    Die Beschwerdeführerin machte dazu geltend, es sei ein behinderungsbedingter Abzug von ungefähr 20 % zu berücksichtigen. Ihre Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Arbeitsweges wurden jedoch bereits bei der Arbeitsfähigkeitseinschätzung berücksichtigt (vgl. E. 4.1 hievor) und können nicht zusätzlich zu einem Tabellenlohnabzug führen. Dasselbe gilt für den Umstand, dass sie nicht mehr lange sitzen kann. Von einem fortgeschrittenen Alter kann bei der im Verfügungszeitpunkt 48-jährigen Beschwerdeführerin zudem nicht gesprochen werden. Überdies weisen die Statistiken für Teilzeitarbeit zwischen 50 % und 74 % bei Frauen ohne Kaderfunktion höhere Löhne als für eine Vollbeschäftigung aus (vgl. T 18 der Lohnstrukturerhebungen des Bundesamtes für Statistik). Somit entfällt auch die Rechtfertigung für einen Tabellenlohnabzug wegen Teilzeitarbeit. Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt sowie die doch erheblichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin vermögen allenfalls zu einem leidensbedingten Abzug zu führen, jedoch zu keinem solchen von 20 %. In welchem Umfang ein allfälliger Leidensabzug zu gewähren wäre, kann vorliegend offenbleiben, nachdem bei der 40%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin selbst ein solcher von 15 % nichts an ihrem Anspruch auf eine Viertelsrente ändern würde.

6.4    Der Beschwerdeführerin ist nach dem Gesagten ab 1. September 2014 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG; Neuanmeldung am 3. März 2014, Urk. 9/113) eine Viertelsrente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Die Beschwerde ist damit gutzuheissen.


7.

7.1    Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG sind ermessensweise auf Fr. 1‘000.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.

7.2    Der Beschwerdeführerin steht ausgangsgemäss eine Prozessentschädigung zu (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Nach Einsicht in die Kostennote vom 5. März 2019 (Urk. 19) ist die Beschwerdegegnerin daher zu verpflichten, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin Lotti Sigg, Winterthur, eine Prozessentschädigung von Fr. 3'172.40 (inkl. Barauslagen und MWSt) auszurichten.



Das Gericht erkennt:

1.    In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom 15. August 2018 aufgehoben und es wird festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ab 1. September 2014 Anspruch auf eine Viertelsrente der Invalidenversicherung hat.

2.    Die Gerichtskosten von Fr. 1’000.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.

3.    Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Lotti Sigg, Winterthur, eine Prozessent-schädigung von Fr. 3'172.40 (inkl. Barauslagen und MWSt) zu bezahlen.


4.    Zustellung gegen Empfangsschein an:

- Rechtsanwältin Lotti Sigg

- Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle

- Bundesamt für Sozialversicherungen

sowie an:

- Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)

5.    Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

    Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.

    Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).



Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich


Der VorsitzendeDie Gerichtsschreiberin




GräubLanzicher